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Person Wagner Elmar AGMTDie Zahl der jungen Menschen, die eine duale Ausbildung absolvieren möchten, bleibt unverändert hoch. Die Betriebe haben deutlich mehr Lehrstellen angeboten. Zugleich wird es immer schwieriger, sie mit geeigneten Bewerbern zu besetzen: Diese Bilanz zieht die Agentur für Arbeit Montabaur für das Ausbildungsjahr, das am 1. Oktober 2016 begann und am 30. September 2017 endete. In diesen zwölf Monaten nahmen 2.495 Jugendliche mit Ausbildungswunsch die Vermittlung der Arbeitsagentur und der Jobcenter Westerwald und Rhein-Lahn in Anspruch. Das ist ein minimaler Rückgang um 3 Bewerber gegenüber 2015/16. Im selben Zeitraum meldeten die Betriebe 1.895 freie Ausbildungsstellen. Hier ist ein Anstieg von 76 zu verbuchen. Am Stichtag 30.09. waren lediglich 38 Personen unversorgt. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Minus von 16. Auf der anderen Seite standen 259 unbesetzte Lehrstellen; und dies bedeutet ein Plus von 135.

Elmar Wagner, Chef der Agentur für Arbeit Montabaur, interpretiert diese Eckwerte: „Die ohnehin niedrige Zahl der unversorgten Bewerber ist um fast 30 Prozent geschmolzen. Die Zahl der Stellen, die nicht besetzt werden konnten, hat sich dagegen mehr als verdoppelt. Darin spiegelt sich überdeutlich der Wandel des  Ausbildungsmarkts zum Bewerbermarkt mit besten Chancen für junge Leute. Rein rechnerisch konnte jeder, der Ende September noch auf der Suche war, zwischen knapp 7 Angeboten wählen.“ 

 

Dass trotzdem nicht alle einen Ausbildungsvertrag unterschreiben können, hat etliche Gründe. Zum Beispiel scheitert im ländlichen Raum ein 16-Jähriger unter Umständen daran, dass er noch keinen Führerschein hat und es keine Bus- oder Bahnverbindung zum potentiellen Arbeitgeber gibt. Oder: Der Personalchef lädt eine Schülerin wegen einer schludrigen Bewerbung erst gar nicht zum Einstellungstest. Oder: Ein Hauptschüler kommt nicht zum Zuge, weil die Mittlere Reife vorausgesetzt wird.   

 

1.333 Bewerber, also mehr als die Hälfte, sind inzwischen in einer Ausbildung. 383 Jugendliche (15,4 Prozent) haben sich für einen weiteren (Berufs)Schulbesuch, ein Praktikum oder ein Studium entschieden. 92 (das sind 3,7 Prozent) werden gezielt gefördert, zum Beispiel über eine Berufsvorbereitung oder Einstiegsqualifzierung. Andere engagieren sich gemeinnützig, z.B. im Bundesfreiwilligendienst, wieder andere gingen als Ungelernte direkt in Arbeit. 

 

So mancher Start ins Erwerbsleben verzögert sich oder misslingt im schlimmsten Fall, wenn die Berufswahl in eingefahrenen Gleisen verläuft. Obwohl es in Deutschland mehr als 300 Ausbildungsberufe gibt, sind die Top Ten in der Wunschliste – getrennt nach Geschlechtern – seit vielen Jahren unverändert: Jungs möchten vorzugsweise Kfz-Mechatroniker, Industriemechaniker, Elektroniker oder Fachinformatiker werden, Mädchen am liebsten (zahn)medizinische Fachangestellte oder Friseurin. Allen gemeinsam ist der Hang zu den kaufmännischen Berufen – angefangen bei Verkäufern/Verkäuferinnen über Einzelhandels- und Industriekaufleute bis hin zu Kaufleuten für Büromanagement. Überall dort ist die Nachfrage größer als das Angebot. 

In anderen Bereichen dagegen werden Azubis dringend gesucht und nicht gefunden. In der Gastronomie fehlen Köche und Restaurantfachkräfte, im Handwerk Tischler, Zimmerer, Maler und Lackierer. Kaum jemand möchte Berufskraftfahrer werden, und im Fachverkauf gibt es die wenig geliebten Tätigkeiten in Bäckereien und Fleischereien.   

 

Die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe steigt weiter an. Die Ausbildungsstellen werden der Agentur für Arbeit zeitig gemeldet, und für 2018 sind es bis dato erheblich mehr als im Spätherbst vergangenen Jahres für 2017. Elmar Wagner: „Unternehmen müssen ihre Fachkräfte von morgen heranbilden, junge Menschen streben ein erfolgreiches und erfülltes (Berufs)Leben an. Um beides zu erreichen, ist Flexibilität auf beiden Seiten gefordert: Die Bewerber sollten sich nicht auf einen (vermeintlichen) Traumberuf fixieren. Und die Betriebe sollten vom Wunschkandidaten abrücken und denjenigen eine Chance geben, die diesem Idealbild nicht perfekt entsprechen. Dabei können sie auf die Unterstützung der Agentur für Arbeit und der Jobcenter setzen.“ Zum breit gefächerten Förderangebot gehören die Berufseinstiegsbegleitung, ausbildungsbegleitende Hilfen, assistierte Ausbildung und Einstiegsqualifizierung.