Kurz vor der Landratswahl im Westerwaldkreis ist die Kandidatin der LINKEN, Line
Bratenstein, Ziel einer konkreten Gewaltandrohung in den sozialen Medien geworden.
Unter einem ihrer Beiträge schrieb ein Account unter anderem, ob er eine „Corvette Spider“
oder einen „Hummer 3“ kaufen solle, „um dich zu überfahren“.
Bratenstein hatte zuvor auf der Homepage der LINKEN Westerwald öffentlich angekündigt,
am CSD in Koblenz teilzunehmen.
„Mir war bewusst, dass in den letzten Tagen des Wahlkampfs noch einmal mehr Hass auf
mich einprasseln könnte. Mit einer derart konkreten Androhung von Gewalt hatte ich
trotzdem nicht gerechnet“, erklärt Bratenstein.
Nach Bekanntwerden des Kommentars informierte sie umgehend die zuständigen Stellen. Der
Vorgang wurde aufgenommen und sicherheitsrelevant bewertet. Bereits in der Nacht zum
Samstag wurde intensiv daran gearbeitet, die Personalien der betreffenden Person
festzustellen.
Bratenstein selbst wurde noch in der Nacht von der Polizei über die Gefährdungslage
informiert und erhielt konkrete Hinweise zu ihrem Verhalten und zu notwendigen
Sicherheitsmaßnahmen. Dabei wurde ihr zudem mitgeteilt, dass für den Samstagmorgen eine
Gefährderansprache bei der betreffenden Person vorgesehen sei.
Aufgrund der Situation wurden auch die Sicherheitsvorkehrungen rund um Bratensteins
Teilnahme am CSD Koblenz angepasst. Im Laufe der Veranstaltung nahm zudem ein
leitender Vertreter der zuständigen Polizei persönlich Kontakt zu Bratenstein auf und
informierte sie über den aktuellen Stand.
Bratenstein betont:
„Ich möchte nicht, dass der Hass die eigentliche Botschaft dieses Wochenendes überlagert.
Queere Menschen haben das gleiche Recht, sichtbar zu sein, politisch aktiv zu sein und sich
frei im öffentlichen Raum zu bewegen wie alle anderen auch.“
Für Bratenstein zeigt der Vorfall zugleich, dass queerfeindliche und politisch motivierte
Bedrohungen im Netz nicht als bloße Begleiterscheinung sozialer Medien abgetan werden
dürfen.
„Es beginnt mit Worten im Netz. Wenn daraus konkrete Gewaltandrohungen werden, müssen
sie ernst genommen werden. Dass die zuständigen Stellen schnell reagiert haben und ich mit
der Situation nicht allein gelassen wurde, war für mich wichtig.“
Trotz der Bedrohung nahm Bratenstein wie angekündigt am CSD Koblenz teil.
„Ich werde mich nicht aus dem öffentlichen Raum zurückdrängen lassen. Ich bin queer, ich
bin politisch aktiv und ich werde weiter für eine Gesellschaft kämpfen, in der Menschen ohne
Angst sichtbar sein können.“
Die weitere Aufklärung des Vorfalls liegt bei den zuständigen Behörden. (Line Bratenstein)