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Am 6. Juni 2027 ist in Limburg Bürgermeisterwahl, die neue Amtszeit beginnt dann am 2. Dezember. Der 1. Dezember 2027 ist damit der letzte Tag im Dienst als Limburger Bürgermeister für Dr. Marius Hahn. Er wird nach zwei Amtsperioden für eine erneute Kandidatur nicht zur Verfügung stehen. Hahn hat Dienstagabend, 25. August, den Ortsvereinsvorstand der SPD und die Stadtverordnetenfraktion informiert und am Mittwochvormittag die Mitarbeitenden der Limburger Stadtverwaltung.



Zu der Entscheidung, nicht erneut zu kandidieren, gibt Dr. Hahn folgende persönliche Erklärung ab:

„Ich habe diese Entscheidung nach reiflicher Überlegung getroffen und sie ist mir wirklich nicht leichtgefallen. Ich bin sehr gerne Limburger Bürgermeister und es ist mir eine Herzensangelegenheit, viel für meine Heimatstadt zu erreichen, sie weiterzuentwickeln und gut zu positionieren als Standort für Industrie und Gewerbe, sie als Lebensort attraktiv zu halten und die Bürgerinnen und Bürgern spüren zu lassen, dass viel getan wird, um ihren Lebensraum so zu gestalten, dass sie gerne in unserer, in ihrer Stadt, leben und unterwegs sind.

Bürgermeister zu sein endet nicht mit dem Verlassen des Rathauses oder des Stadthauses, das Amt erfordert vorher und nachher Einsatz und an sieben Tagen die Woche ein offenes Ohr für Nöte und Anliegen der Bürgerinnen und Bürger. Das ist so und es ist auch keine Klage über diesen Zustand, sondern eine Beschreibung. Allerdings hat das ständige im Amt sein dazu geführt, dass ich mich nach fast elf Jahren im Dienst gefragt habe, ob das so weiter geht oder es nicht noch einmal an der Zeit ist, das berufliche Tun neu auszurichten und damit auch wieder ein Stück persönliche Freiheit zu gewinnen, wieder als Marius Hahn in der Stadt unterwegs sein zu können. In wenigen Tagen werde ich 55 Jahre alt. Wenn es also noch einmal eine Änderung in meinem Berufsleben geben kann, dann ist das jetzt der Fall. Was es genau werden wird, weiß ich noch nicht. Ich habe noch Zeit, eine Entscheidung zu treffen.

Ich bin mir durchaus bewusst, dass die SPD als Partei meiner politischen Heimat die Erwartung hatte, dass ich für eine dritte Amtszeit kandidiere. Diese Erwartung erfülle ich nicht. Ich habe den Ortsvereinsvorstand der Partei und die Stadtverordnetenfraktion daher zuerst über meine Entscheidung informiert und um Verständnis gebeten. Ich bin überzeugt, dass noch ausreichend Zeit bis zur Wahl am 6. Juni kommenden Jahres ist, um eine neue Kandidatin oder einen neuen Kandidaten zu finden, die oder der sich den Herausforderungen stellt und mit sozialdemokratischem Profil und Persönlichkeit überzeugt. Die SPD wird meine politische Heimat bleiben, gleichzeitig möchte ich auch darauf verweisen, dass ich nie als Kandidat einer Partei zu den Bürgermeisterwahlen angetreten bin. Mich hat stets eine parteiübergreifende Wählerinitiative unterstützt, in der die SPD stark vertreten war.

Die Amtszeit des Bürgermeisters beträgt sechs Jahre. Das bedeutet auch, eine Entscheidung für weitere sechs Jahre zu treffen. Mit Blick auf die nun zurückliegenden fast elf Jahre als Bürgermeister kann ich sagen, viel erreicht, angestoßen und auf den Weg gebracht zu haben. Manches davon war politisch frühzeitig zu erkennen, Wohngebietserweiterungen oder die Schaffung neuer Gewerbeflächen sowie auch die Schadstoffbelastung in der Innenstadt mit einem drohenden Dieselfahrverbot. Mit der Einrichtung eines Bürgerbüros im Rathaus ließ sich ein lang gehegter Wunsch von mir umsetzen, um den Servicecharakter der Verwaltung zu betonen. Auch die Abschaffung der Zweitausbausatzung habe ich als Ziel schon mit in das Amt gebracht. Anderes hingegen kam ohne große Vorankündigung und musste schnell entschieden werden, wie zum Beispiel der Umzug mit einem Großteil der Verwaltung in das ehemalige Gebäude von Mundipharma oder die Übernahme des Parkhauses von Galeria.

Bei einigen Aufgaben hätte ich mir gewünscht, weiter zu sein. Das betrifft die Ausweisung neuer Wohnbauflächen in Blumenrod oder auch die Erweiterung des Gewerbegebietes „Nördlich der der Kapellenstraße“ in Offheim. Doch die Planungen sind aufwendig und kompliziert. Dass für die Aufstellung eines Bebauungsplans zwei Jahre benötigt werden, ist längst passé. Als Stadt sind wir in solchen Verfahren auch immer wieder auf andere Behörden angewiesen beziehungsweise benötigen die Zustimmung von übergeordneten Behörden. Ich habe manchmal den Eindruck, wonach nicht immer alle das gleiche Ziel verfolgen.

Auch wenn es für die Bebauungspläne von Blumenrod und „Nördlich der Kapellenstraße“ noch keinen Satzungsbeschluss gibt, sie sind auf dem Weg. Und bis zum 1. Dezember 2027 sind es auch noch einige Monate. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, bis dahin Satzungsbeschlüsse zu haben und damit beide Projekte planerisch in trockenen Tüchern meiner Nachfolgerin oder Nachfolger übergeben zu können.

Auch für unserer Außenstelle der THM mit ihrem dualen Studienangebot hätte ich mir mehr Interesse gewünscht, das trifft vor allem auf das neue Studienangebot im Bauingenieurwesen zu. Doch was noch nicht ist, kann ja noch werden – die Studierenden des ersten Semesters nehmen den neuen Studiengang auf und der Bedarf an dem Bildungsangebot ist definitiv vorhanden.

Ich werde am 1. Dezember 2027 ein wohl geordnetes Haus übergeben. Die Finanzen der Stadt sind in Ordnung. Bei der Gewerbesteuer haben wir in den zurückliegenden Jahren immer wieder Rekordeinnahmen zu verzeichnen gehabt. Das trifft auf der anderen Seite auch auf unsere Investitionen zu. Und die Schulden haben wir jedes Jahr abgebaut. Mit einer Pro-Kopf-Verschuldung von rund 90 Euro sind wir im Landkreis mit Abstand die Kommune mit den niedrigsten Schulden, auch hessenweit belegen wir einen Spitzenplatz und befinden uns am hinteren Ende der Schuldentabelle. Zur Ehrlichkeit gehört allerdings auch, dass wir vor Investitionen stehen (Hauptfeuerwache, Stadthallensanierung), die ohne Kredite nicht zu stemmen sind.

Es gibt nach wie vor viel Freude, die mit dem Amt verbunden ist und daher werde ich auch bis zu meinem letzten Tag im Dienst mit Elan und Tatkraft alles tun, um Limburg gut für die Zukunft aufzustellen. Doch es gibt auch Entwicklungen, die mich etwas Beruhigung im Leben anstreben lassen. Die Beleidigungen und Anfeindungen im Zusammenhang mit der Änderung des Glockenspiels im Rathaus oder mit der Entscheidung, die Taubenpopulation in Limburg durch das Töten von einem Teil der Tiere zu reduzieren, haben doch Spuren hinterlassen und lassen sich nicht so leicht abschütteln. Es bleibt auch hängen, dass die Bezeichnung „Feige Sau“ mir gegenüber straffrei geblieben ist. Es ist leider immer wieder der Fall, dass bei Entscheidungen, die einem nicht passen, der Bürgermeister als Ursache allen Übels benannt wird, gerade auf den Social-Media-Kanälen.“ (Stadt Limburg) 

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