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Westerwaldkreis / Selters. Wir stehen auch im Westerwald vor einem riesigen, bisher vernachlässigten und weitgehend verdrängten Problem: dem Demografischen Wandel, den politischen Gefahren einer überalternden Gesellschaft! Um dem auf regionaler Ebene begegnen zu können, hat der Westerwaldkreis eine „Seniorenpolitische Konzeption“ (SPK) mit 12 Handlungsfeldern erarbeitet. Diese wurde vom Kreistag schon 2022 einstimmig beschlossen, die vielen sinnvollen Handlungsempfehlungen jedoch bisher nicht gezielt umgesetzt! Das Netzwerk Senioren-Rat Westerwald (SRW) hat dies wiederholt kritisiert.

Jetzt trafen sich im Sitzungssaal der VG Selters fast 30 Aktive zu einem Gespräch in der Reihe „WW-Seniorentalk“ auf Einladung des SRW zum Thema „Kommunale Seniorenpolitik im Westerwaldkreis – was jetzt zu tun ist“. Nach über 2 Stunden Information und Diskussion konnten alle übereinstimmend feststellen: wohl noch nie saßen in einem Raum im Kreis mehr seniorenpolitische Erfahrung und Sachverstand zusammen wie an diesem Abend! Sie stimmten auch darin überein, dass die Lebensqualität im Alter in besonderem Maße von den Umständen am Wohnort abhängt und dabei den Kommunen eine große Bedeutung zukommt! Wie das gelingen soll, wurde teils leidenschaftlich – aber immer sachlich – diskutiert.

„Wir sind gerne Gastgeber dieser richtungsweisenden Veranstaltung“, so der Selterser VG-Bürgermeister Oliver Götsch bei seiner Begrüßung. Zeitgemäße seniorenpolitische Angebote von Beiträgen zur Mobilität bis zur ärztlichen Versorgung seien in der VG Selters wichtig, so der VG-Chef. Für den SRW wies dessen Koordinator Uli Schmidt darauf hin, dass durch die schnelle Überalterung des Gesellschaft unsere Innovationsfähigkeit, unser Wohlstand und auch unsere Lebensfreude zunehmend bedroht werde: „Wenn die sich aus der Demografie ergebenden Gefahren für die Zukunft unserer ‚Demokratie offensichtlich sind und immer mehr Kippunkte überschritten werden, müssen wir auf kommunaler Ebene anfangen die fortschreitende Altenrepublik in Angriff zu nehmen“, so der Moderator des Abends.

Was mit entsprechendem Mut und Engagement unter den aktuellen Rahmen- Bedingungen bereits möglich ist, stellten Selma Avsar und Tanja Griebling vom Seniorenbuero der VG Selters eindrucksvoll vor: „Wir sind seit Mitte letzten Jahres  zentral im neuen Treff am Markt in der Stadtmitte untergebracht, einer gemeinsamen Anlaufstelle u.a. mit der Gemeindeschwester plus, dem Pflegestützpunkt und dem Quartiersmanagement für gebündelte Unterstützung älterer Menschen in unserer VG“ so Tanja Griebling. Selma Avsar ergänzte, dass dort unter einem Dach modellhaft Beratung und Vernetzung für Senioren, ergänzt durch Angebote zur Freizeitgestaltung oder zur verbesserten Mobilität mit dem Senioren-Taxi und dem Bürger-Mobil organisiert würden. 

Immer wieder wurde von Teilnehmenden gefragt, wie das denn alles möglich sei. Der Selterser Stadtbürgermeister Rolf Jung wusste Antworten: „Vieles ist das Ergebnis einer von der Else-Schütz-Stiftung in Auftrag gegebenen Sozialraumanalyse, aus der unter anderem a. der Treff am Markt und das Quartiersbüro hervorgingen“, hob der langjährige Stadtchef hervor. Letzteres wurde von dessen Stelleninhaberin Angela Schmitz-Buchholz mit dem Ziel vorgestellt, Menschen früh zusammenzubringen: „Durch vielfältige präventive Angebote in den Bereichen Bewegung, Ernährung und Gemeinschaft stärken wir Gesundheit, Teilhabe und Lebensqualität der meist älteren Menschen“, so die Quartiersmanagerin. Als Mitglied des Stadtrates Selters ergänzte Silvia Andree, das sei nur dadurch möglich, dass die Initiativen von allen Stadtratsfraktionen mitgetragen werden und die Zusammenarbeit zwischen Stadt und VG mit deren Ortsgemeinden reibungslos funktioniere. Für den örtlichen VdK wies Walter Frohneberg auf geeignete Maßnahmen hin, die der Barrierefreiheit dienten.

Als Mitglied des die SPK vorbereitenden Arbeitskreises stellte Eva Ehrlich-Lingens dann die Grundzüge der SPK vor: „Ziel ist es, auf die tief greifenden Auswirkungen durch den demografischen Wandel beispielsweise zur Wohnsituation oder der Ortsentwicklung in angemessener Weise zu reagieren“, so die ehrenamtliche Beigeordnete der VG Bad Marienberg. Fakt sei, dass wir im Westerwald noch schneller alt werden als bisher gedacht, nun müssten aus den 12 beschriebenen Handlungsfeldern endlich auch die aufgezeigten vielfältigen Handlungsmöglichkeiten angepackt und umgesetzt werden! Das Leitbild sei dabei “Gut leben und älter werden im Westerwaldkreis!

Uli Schmdit stellte ein 10-Punkte Programm vor, auf dessen Basis die Handlungsfelder der SPK besser umgesetzt werden können. So sei es notwendig, die Seniorenleitstelle des Kreises aufzuwerten, das Senioren-Förderprogramm zeitgemäß weiterzuentwickeln und eine kreisweite seniorenpolitische Leitgruppe unter Einbeziehung alle VG´s fest zu installieren. Auch sei es unter anderem auch wichtig, zumindest einmal jährlich im Kreissozialausschuss zu hinterfragen, welche Entwicklungen es bei der SPK-Umsetzung gebe. Es seien aber auch bereits Fortschritte erkennbar: so werde am 26.8.2026 ins Bürgerhaus Siershahn zu 1. Wäller Seniorenkonferenz eingeladen und mit dem „WW-Seniorentalk“ sei eine beachtete Gesprächsreihe zu seniorenpolitischen und gesellschaftlich relevanten Themen erfolgreich gestartet worden. Letztere gehe mit dem Thema „Boomer, engagiert euch!“ bald schon in die 5. Runde. (Uli Schmidt) 

Kategorie: Bunte Meldungen
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