Anwohner Christian Krumbeck ergriff selbst die Initiative
Kreis Altenkirchen/Niederschelderhütte. Das Naturfreibad Schinderweiher im Mudersbacher Ortsteil Niederschelderhütte erfreut sich nicht nur in den warmen Sommermonaten großer Beliebtheit – auch dieser Tage im zeitigen Frühjahr ist ein regelrechter „Run“ zu beobachten. Der Unterschied: Statt Schwimmern und Sonnenanbetern streben derzeit aus ganz anderen Motiven deutlich kleinere Besucher Richtung Wasser, ist die „Schinde“ doch für Amphibien ein traditioneller Laichplatz.
Damit Erdkröten und Co. auch sicher ins Tal gelangen, wurde jetzt an der Straße ein Schutzzaun installiert. Nicht von einer Behörde, nicht von einer Kommune, nicht von einem Naturschutzverband. Vielmehr hat Anwohner Christian Krumbeck privat die Initiative zu der Aktion ergriffen. Dafür gibt es ein großes Lob von der Unteren Naturschutzbehörde der Kreisverwaltung.
Seit mehr als 40 Jahren beobachtet Krumbeck, wie sich die Tiere ihren Weg von den Ausläufern des Giebelwalds zum Weiher bahnen. Das geschah in all den Jahren auch recht gefahrlos, hält sich der Verkehr in diesem Wohngebiet doch normalerweise in Grenzen. Mit der baustellenbedingten Sperrung der B 62 in Niederschelderhütte hat sich die Situation allerdings dramatisch geändert. Zahlreiche Autofahrer weichen seitdem über die Schinden aus. Also hat sich Krumbeck gedacht: „Wenn die Amphibien eine Chance haben sollen, dann müssen sie die in diesem Jahr bekommen.“
Der Schelderhütter fragte zunächst Ortsgemeinde und Hauberg ganz offiziell um Erlaubnis, führte dann noch diverse Telefonate, sodass am Ende vom Bauhof Arbeitsmaterial und von der Feuerwehr ein Stromaggregat zur Verfügung gestellt wurden. Das wichtigste Einsatzmittel, den Krötenschutzzaun, lieferte Ende vergangener Woche Christian Heidtmann von der Unteren Naturschutzbehörde an. Und mit dem Zaun kam jede Menge Anerkennung: „Das hier ist eine vorbildliche Aktion. Wir möchten dies zum Anlass nehmen, uns ausdrücklich bei allen Ehrenamtlichen kreisweit zu bedanken, die in den nächsten Wochen einen Großteil ihrer Freizeit in den aktiven Schutz unserer Amphibien investieren – und das teilweise seit bereits mehreren Jahrzehnten. Dieses Engagement hat große Anerkennung verdient“, so Heidtmann.
Krumbeck blieb bei der Umsetzung nicht allein: Am Samstag halfen ihm beim Aufstellen des Zauns einige Nachbarn und eine junge Pfadfinderin. Gemeinsam wurden Löcher für die Auffang-Eimer gebuddelt und Heringe in den (steinigen) Untergrund getrieben. Auch um die Kontrolle und den Weitertransport der Amphibien werden sich die Anwohner in den nächsten Wochen kümmern. Gleichwohl werden Autofahrer gebeten, in diesem Bereich, wo ohnehin Tempo 30 gilt, besondere Rücksicht walten zu lassen. (Kreis Altenkirchen)