Achim Schwickert verabschiedet – Klaus Lütkefedder vereidigt
„Alles ist wie immer und doch ist alles anders!“ Mit diesen Worten eröffnete die Erste Kreisbeigeordnete Gabriele Wieland die 12. Sitzung des Kreistages der XI. Wahlperiode. Dass dieser Abend ein besonderer war, zeigte sich bereits zu Beginn: Milena Lenz-Mester, Leiterin der Kreismusikschule Westerwald, stimmte gemeinsam mit Gitarrist Armin Seibert mit dem Lied „Heimat“ auf das Thema des Abends ein. Im Mittelpunkt der Sitzung standen die Verabschiedung von Achim Schwickert als Landrat und die Ernennung seines Nachfolgers Klaus Lütkefedder.
Dank und Anerkennung für Achim Schwickert
Mehr als 30 Jahre war Achim Schwickert im Kreishaus tätig. 2009 wurde er erstmals zum Landrat des Westerwaldkreises gewählt und 2017 sowie 2025 im Amt bestätigt. Seit Mai dieses Jahres ist er Innenminister des Landes Rheinland-Pfalz und legte deshalb das Amt des Landrats nieder. Gabriele Wieland würdigte seine Amtszeit: „In seinen fast 17 Jahren als Landrat gab es bewegte Zeiten und schwierige Rahmenbedingungen. Dennoch hat der Westerwaldkreis eine Entwicklung genommen, auf die ein Landrat stolz sein kann.“
Fleiß, Belastbarkeit und die Fähigkeit, auch in schwierigen Situationen Ruhe zu bewahren, hätten Schwickerts Arbeit ebenso geprägt wie sein Satz „Ich geh dann mal nachdenken“, um sich durch gezieltes Zurückziehen einen Überblick über die Lage zu verschaffen und Lösungsstrategien zu entwickeln. Seine ebenfalls häufig geäußerte Aussage „Wir müssen den Laden zusammenhalten“ sei zugleich Ausdruck seines Führungsverständnisses gewesen. Dazu habe gehört, allen Menschen mit Wertschätzung und auf Augenhöhe zu begegnen.
Seine große Erfahrung und sein scharfer Verstand hätten ihm ermöglicht, auch komplexe Sachverhalte schnell zu erfassen, auf den Punkt zu bringen und verständlich zu vermitteln. Bei der Übergabe der Urkunde dankte Gabriele Wieland ihm im Namen der Westerwälderinnen und Westerwälder von Herzen. Die Anwesenden unterstrichen dies mit Standing Ovations.
Zum Abschied hatten die Kreistagsfraktionen, die Kreisverwaltung und eine bekannte Westerwälder Brauerei gemeinsam ein besonderes Geschenk vorbereitet: einen Kühlschrank für das Innenministerium, der ein Jahr lang regelmäßig mit Westerwälder Getränkespezialitäten befüllt wird. Zusammen mit einem Stehtisch in Form der Westerwald-Karte soll er an Schwickerts neuem Arbeitsplatz für ein Stück Heimat sorgen.
FDP-Fraktionsvorsitzender Rudolf Schwaderlapp verabschiedete Achim Schwickert im Namen des Kreistages. Als Jurist sei er für das Amt bestens qualifiziert gewesen und habe es verstanden, sowohl Fachleuten als auch Laien komplexe Zusammenhänge verständlich zu erklären. „Er gibt den Menschen das Gefühl, dass er sie versteht – und durch seine Sprache im Dialekt und die guten Erläuterungen verstehen die Menschen auch ihn.“
Mit Sachverstand und Feingefühl habe Achim Schwickert stets nach tragfähigen Kompromissen gesucht, dabei aber auch klare Grenzen aufgezeigt. „Mit einem weinenden Auge verabschieden wir dich, mit einem lachenden Auge sind wir froh, dich mit diesen Eigenschaften künftig im Innenministerium zu haben“, sagte Rudolf Schwaderlapp und wünschte für die Zukunft: „Viel Glück, Gottes Segen und mach es gut!“ Sein Dank galt zudem Caroline Schwickert, die ihrem Mann stets den Rücken gestärkt habe.
Auch Dr. Andreas Reingen, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Westerwald-Sieg, bedankte sich im Namen von Vorstand und Mitarbeitenden. Achim Schwickert habe sein Amt als Verwaltungsratsvorsitzender mit Bravour gemeistert und die Sparkasse maßgeblich geprägt. „Er war fachlich wie menschlich für uns ein Glücksfall.“
„Ich bleibe einer von euch“
Sichtlich bewegt nahm Achim Schwickert die Würdigungen entgegen und bedankte sich für die „vielen schönen Worte“. Leitgedanke seines Handelns sei stets gewesen: „Wie können wir gemeinsam etwas zum Guten für die Westerwälder tun? Was können wir unternehmen, um Probleme anzugehen und zu lösen?“
Dies sei nur durch das Zusammenspiel vieler Menschen möglich gewesen. Er dankte unter anderem den Mitarbeitenden der Kreisverwaltung, dem Personalrat, den Mitgliedern der Ausschüsse, den Kreiseinrichtungen sowie den Verbands- und Ortsbürgermeistern und allen Partnern für die Unterstützung, den Zusammenhalt und das Vertrauen. Besonderen Dank richtete er an seine Frau und seinen Sohn und ergänzte. „Wir gehen neuen Zeiten entgegen. Den Westerwälderinnen und Westerwäldern sage ich: Ich bin einer von euch – und ich bleibe einer von euch.“ Mit einem Augenzwinkern wandte er sich anschließend an seinen Nachfolger Klaus Lütkefedder: „Die Mannschaft ist da, die Kreisgremien sind da, die Westerwälder sind da, die Probleme sind da – Geld ist nicht da. Ich bitte um Übernahme des Ruders!“
Anschließend sorgte Milena Lenz-Mester mit ihrer Interpretation von „My Way“ für einen besonders emotionalen Moment.
Klaus Lütkefedder offiziell zum neuen Landrat ernannt
„Jetzt darf ein neuer Weg beginnen“, griff Gabriele Wieland den Titel auf und leitete damit zur offiziellen Ernennung von Klaus Lütkefedder zum Landrat des Westerwaldkreises über. Nach 17 Jahren als Bürgermeister der Verbandsgemeinde Wallmerod bringe er umfangreiche Verwaltungs- und Führungserfahrung mit. Ihn erwarte „ein gut aufgestelltes Kreishaus mit engagierten Mitarbeitenden, auf die man sich verlassen kann“. Gabriele Wieland überreichte ihm die Ernennungsurkunde für die Dauer von acht Jahren. Anschließend legte Klaus Lütkefedder den Diensteid ab. Für den Start ins neue Amt gab es zudem ein besonderes Willkommensgeschenk: In einem Körbchen lagen die wichtigsten Utensilien für seine neue Aufgabe bereit: vom Generalschlüssel für das Kreishaus über eine Passwortliste bis hin zu einem Stapel roter Tintenstifte.
Dr. Stephan Krempel, Vorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion, hieß für alle Kreistagsmitglieder den neuen Landrat willkommen: „Hier kommt kein Fremder zu uns, sondern jemand wechselt den Platz aus der Mitte des Kreistages nach vorn an den Tisch.“ Klaus Lütkefedder betrete kein unbekanntes Terrain, sondern ein Feld, das er über Jahre gemeinsam mit den Mitgliedern des Kreistages bereitet habe. Das dabei gewachsene Vertrauen und gute Miteinander seien eine wichtige Basis. „Wir wünschen dir viel Erfolg, dass du deine positive Einstellung und deinen Humor behältst und immer eine gute Hand hast“, so Dr. Stephan Krempel. Lütkefedders Ehefrau Margitta dankte er herzlich für ihren Rückhalt, den neuen Weg mitzugehen.
„Der Westerwaldkreis ist mein Arbeitsplatz“
In seiner ersten Rede als Landrat machte Klaus Lütkefedder deutlich, was ihm für seine neue Aufgabe wichtig ist: „Der Westerwald ist eine starke Region, auf die wir stolz sein können. Die Bürgerinnen und Bürger sind da, wenn es darauf ankommt – und ich werde für sie da sein.“ Dabei wolle er nicht nur in der Verwaltung präsent sein: „Das Kreishaus ist mein Büro, aber der Westerwaldkreis ist mein Arbeitsplatz.“ Sein Ziel sei es, viel unterwegs zu sein, etwa in den Gemeinden, Schulen und bei den Feuerwehren. Er wolle zuhören, sich ein Bild vor Ort machen und anschließend konsequent entscheiden. Achim Schwickert habe eine hervorragende Grundlage geschaffen, auf der er aufbauen könne. Zugleich lud er alle ein, gemeinsam Ideen für die Zukunft des Westerwaldkreises zu entwickeln.
Als erste offizielle Amtshandlung schloss Klaus Lütkefedder die Kreistagssitzung. Mit dem Musikstück „Sowieso“, gesungen von Milena Lenz-Mester, ging der offizielle Teil des Abends schließlich in den geselligen Ausklang über. (Westerwaldkreis)