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Westerwald. 200 Kilometer in zwölf Etappen; einmal rund um den Westerwald. Das ist der Pilgerweg des Evangelischen Dekanats Westerwald. Fast fünf Jahre hat das „Pilgerteam“ des Evangelischen Dekanats, Regina Kehr, Bettina Dreiseitel, Ricarda Schneider und Bettina Kaiser, diesen Weg geplant und konzipiert. Im Juni 2026 ist er schließlich feierlich eröffnet worden. Nun hat der Öffentlichkeitsreferent des Dekanats den Weg einmal komplett erwandert – mit leichtem Gepäck und zwei alten Kameras. Peter Bongard, der auch als Fotograf tätig ist, machte sich zehn Tage lang auf eine Reise durch die Region und hielt seine Eindrücke auf analogem Film fest.


„Als ich losgegangen bin, war meine Erwartung: Du wirst sehr oft durch dichte Wäller Wälder laufen“, gibt Bongard schmunzelnd zu. Der Beginn seiner Tour bestätigt das: „Der offizielle Start- und Endpunkt des Pilgerwegs ist Westerburg, also der Sitz des Evangelischen Dekanats. Da ich aber in Montabaur wohne, bin ich von meiner Haustür aus aufgebrochen“, erzählt er. Von dort aus ging’s – wie erwartet – lange durch den Wald: vorbei am b-05, durch den Forst nach Neuhäusel und dann über Hillscheid nach Höhr-Grenzhausen. Doch schon dieser erste Tag, an dem Bongard zwei Etappen zusammenfasste, überraschte ihn: Mitten im Montabaurer Wald traf er auf einen Mann, der unter Bäumen Saxophon spielte; stieg aufs Dach der Evangelischen Kirche Neuhäusel und hielt ein Schwätzchen mit Dachdeckern; er genoss die Weite des Tals bei Kadenbach, stöhnte beim letzten Anstieg vor Höhr-Grenzhausen, bevor er am späten Nachmittag in der Kannenbäckerstadt eintraf. „Dieser erste Tag war zusammen mit dem letzten der anstrengendste. Allerdings habe ich an beiden Tagen zwei Etappen zusammengefasst und bin jeweils 30 Kilometer zu Fuß gegangen“, sagt er.
Davon abgesehen empfindet Peter Bongard den Dekanatspilgerweg als nicht besonders anspruchsvoll. „Die Etappen haben angenehme Längen von durchschnittlich 16 Kilometern und moderate Steigungen. Kein Problem für Menschen, die gerne und regelmäßig wandern.“
Was derzeit allerdings ein großes Problem ist: der Windbruch, den der Tornado Mitte August angerichtet hat. Besonders die Wanderwege in der Region um Höhr-Grenzhausen sind stellenweise in einem verheerenden Zustand, findet Bongard. „Auf den Höhen hinter Grenzau war der Weg auf einer Strecke von rund 50 Metern kaum passierbar. Überall lagen große Bäume, und ich musste ziemlich ungelenk klettern, um weiterzukommen“, sagt er. Problematische Passagen hat er während seiner Tour direkt an die Wege-Planerinnen Bettina Dreiseitel und Regina Kehr gemeldet, die mit den entsprechenden Stellen vor Ort in Kontakt sind und Hinweise auf der Homepage zum Weg veröffentlicht haben.
Apropos Hinweise: Schilder oder Wegweiser, die die Route über den Dekanatspilgerweg weisen, gibt es bislang nicht. „Dafür bräuchte es Paten, die die Strecke ein- bis zweimal im Jahr kontrollieren“, sagt Regina Kehr. „Wer dazu bereit wäre, kann sich gerne bei uns melden.“ Bislang müssen sich PilgerInnen indes auf die Wander-App Komoot verlassen, in der alle Etappen genau markiert sind. Es ist ebenfalls möglich, den Weg mit Hilfe der App Outdooractive oder einer GPX-Datei zu gehen. „Bei meinen bisherigen Pilgerwanderungen habe ich mich immer auf Hinweise entlang der Route oder in Büchern verlassen“, sagt Bongard. Diesmal ging’s nicht anders: „Komoot hat mich zuverlässig geführt. Für altersschwache Handys sollte man aber eine Powerbank im Gepäck haben.“ Oft deckt sich die Wegführung mit klassischen Routen wie der des Westerwaldsteigs oder des Missionswegs Nord-Nassau. Oft, aber nicht immer: „An manchen Stellen ist die Wegführung etwas besonders“, sagt Bongard. „Auf der Etappe nach Limbach führt die Strecke beispielsweise quer durch ein recht dichtes Waldstück. Eine schöne Route, die man ohne die App aber kaum findet.“
Schöne Strecken und Momente erlebte Peter Bongard während seiner Tour viele. Routen, die eben nicht nur durch Wäller Wälder führten. „Ich lebe schon immer im Westerwald. Trotzdem hat mir der Dekanatspilgerweg nochmal neu gezeigt, wie facettenreich die Landschaft ist. Jede Etappe hatte eine eigene Note: das Wild-Romantische des Brexbachtals zwischen Höhr-Grenzhausen und Ransbach-Baumbach; die steppenähnlichen Gebiete im Hohen Westerwald vor Liebenscheid, die beeindruckende Holzbachschlucht bei Gemünden, der Große Wolfstein bei Kirburg oder die lang gezogenen Birkenalleen vor Höchstenbach.“ Ganz zu schweigen von den netten Begegnungen – mit Tieren wie Alpakas, Longhorn-Rindern, Rehen oder Pferden. Oder mit Menschen, mit denen Bongard ins Gespräch kam. „Wanderern bin ich nur selten begegnet. Dafür aber vielen Dorfbewohnern, die ich interviewt habe.“ Jeden Tag hat Peter Bongard ein kurzes Video gedreht: mit Bildern der Etappe oder mit einer Frage, die ihn selbst begleitet hat und die er an Menschen auf dem Weg weitergegeben hat: Wofür bist Du dankbar? Was bedeutet der Westerwald für Dich? Welchen Rat würdest Du Deinem jüngeren Ich geben? „Pilgern ist eben mehr als Wandern. Es ist auch ein Weg nach innen. Man hat viel Zeit zum Nachdenken, zum Schweigen, wenn man mag zum Beten. Die vielen Kirchen des Westerwalds, an denen man während der Pilgerreise vorbeikommt, sind dafür eine schöne Inspiration.“
Was auf der Route unterdessen fehlt, sind klassische Pilgerherbergen, wie man sie von den Jakobswegen in Frankreich und Spanien kennt. Peter Bongard verbrachte die Nächte in Pfarrhäusern, kleinen Pensionen, der Abtei Marienstatt, bei Freunden oder sogar in einer Kirche. Bettina Dreiseitel hat die Übernachtungsmöglichkeiten entlang des Weges zusammengefasst. Die Liste kann demnächst auf der Seite des Pilgerwegs heruntergeladen werden.
Die Landschaften hat der Fotograf auf besondere Art und Weise eingefangen: mit zwei analogen Kameras und einige Rollen Farb- und Schwarzweißfilm. „Ich wollte mich bewusst reduzieren und überlegt fotografieren statt wild herumzuknipsen. Für mich ist das Analoge eine Art der Entschleunigung; eine Wertschätzung gegenüber dem Pilgerweg und der Natur“, sagt Bongard. Das bedeutet bei nur zwölf Bildern auf einer Rolle Mittelformatfilm: Für viele Fotos hatte er nur einen einzigen Versuch. „Man denkt bei der analogen Fotografie viel mehr übers Bild, die Komposition und die Einstellungen nach, bevor man abdrückt. Ich bin ganz im Moment, überlege, was mich am Motiv berührt und wie ich dieses Besondere einfangen kann. Umso schöner, wenn die Fotos dann gelungen sind.“ Und das sind sie, glaubt der Fotograf: Rund 100 Bilder aus dem Westerwald haben es in seine Auswahl geschafft und werden demnächst der Öffentlichkeit präsentiert.
Die Schönheit der Wäller Natur können die Fotos trotzdem nur unzureichend wiedergeben. „Die muss man erleben“, findet Bongard und ermutigt, sich selbst auf den Dekanatspilgerweg zu begeben. „Ob mit oder ohne Kamera: Der Weg ist ideal, um zwei Wochen lang in eine Welt abzutauchen, die vertraut und facettenreich zugleich ist.“ (bon)

Weitere Infos, die Route und Übernachtungsmöglichkeiten zum Dekanatspilgerweg finden Sie unter https://eeb-westerwald.de/pilgerwege.html. Die Filme des Dekanatspilgerwegs sind auf dem Instagram-Kanal des Evangelischen Dekanats zu sehen: Er heißt evangelischimwesterwald. Eine Übersichtskarte und ein Pilgerpass können bei Regina Kehr Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!;angefordert werden. (Evangl. Dekanat WW) 

Kategorie: Bunte Meldungen
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