Drucken

WESTERWALD/RHEIN-LAHN. Wie begegnet man Menschen mit Demenz einfühlsam und respektvoll? Wie gelingt Verständigung, wenn Erinnerungen verblassen und vertraute Fähigkeiten nachlassen? Und was können Angehörige, Ehrenamtliche und Begleitende tun, um Betroffenen Sicherheit, Geborgenheit und Wertschätzung zu vermitteln? Mit diesen Fragen beschäftigten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer beim diesjährigen Fachtag für Ehrenamtliche und Interessierte aus Kirchengemeinden und Caritas. Unter dem Motto „Gut, dass es dich gibt – Leben mit Demenz“ hatte der Caritasverband Westerwald-Rhein-Lahn gemeinsam mit den Caritas-Konferenzen Deutschlands (CKD) ins Kloster Dernbach eingeladen.


Im Mittelpunkt des Nachmittags stand das Impulsreferat von Caritasdirektorin Stefanie Krones, die auch dem Vorstand des Verbandes katholischer Altenhilfe in Deutschland (VKAD) angehört. Unter der Überschrift „Vom sensiblen und achtsamen Umgang mit Menschen mit Demenz“ verdeutlichte sie, wie wichtig eine Haltung ist, die den Menschen mit seiner Persönlichkeit, seinen Gefühlen und Bedürfnissen in den Mittelpunkt stellt.

Nicht korrigieren, sondern verstehen
Anhand zahlreicher alltagsnaher Beispiele zeigte Krones auf, wie ein respektvoller Umgang mit Menschen mit Demenz gelingen kann. Dabei komme es häufig weniger auf die richtigen Worte als vielmehr auf Geduld, Einfühlungsvermögen und die Bereitschaft an, sich auf die Lebenswelt des Gegenübers einzulassen. Statt Menschen mit Demenz ständig zu korrigieren oder auf vermeintliche Fehler hinzuweisen, sollten ihre Gefühle ernst genommen und ihre Reaktionen respektiert werden.
Auch kleine Gesten können dabei eine große Wirkung entfalten: Blickkontakt auf Augenhöhe, eine freundliche Ansprache, ein ruhiger Tonfall oder eine behutsame Berührung können Vertrauen und Sicherheit vermitteln. Ebenso wichtig sei es, ausreichend Zeit zum Verstehen und Antworten zu lassen, kurze und klare Sätze zu verwenden und die Betroffenen nicht mit Fragen zu überfordern.
Erhalt der persönlichen Würde, Respekt vor der Autonomie und Förderung von Lebensqualität sind die Leitlinien für den achtsamen Umgang mit Menschn mit Demenz. Sie nicht auf ihre Einschränkungen zu reduzieren, sondern weiterhin als eigenständige kompetente Persönlichkeiten wahrzunehmen, ist die Empfehlung. Dazu gehöre auch, ihre Privatsphäre zu achten, Entscheidungen zu respektieren und niemals über ihren Kopf hinweg zu sprechen. Krones griff dabei unter anderem Gedanken aus dem sogenannten „Demenz-Knigge“ auf, einem Leitfaden für den achtsamen und respektvollen Umgang mit Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen.

Raum für Begegnung und Erfahrungsaustausch
Neben der fachlichen Auseinandersetzung bot der Fachtag viel Gelegenheit zum persönlichen Austausch. Nach einem spirituellen Einstieg zum Thema „Die sieben Werke der Barmherzigkeit“, gestaltet von Schwester Angela Bianchet ADJC, standen Gespräche in Kleingruppen sowie ein gemeinsamer Austausch auf dem Programm. Auch bei Kaffee und Kuchen konnten Erfahrungen geteilt, Fragen gestellt und neue Kontakte geknüpft werden.
Organisiert hatten den Fachtag erneut der CKD-Sprecherkreis der Region und Rainer Lehmler, Referent für Gemeindecaritas beim Caritasverband Westerwald-Rhein-Lahn. Er unterstrich die Bedeutung solcher Begegnungen für die ehrenamtliche Arbeit: „Menschen mit Demenz brauchen vor allem eines: Menschen, die ihnen mit Offenheit, Geduld und Wertschätzung begegnen. Unser Fachtag sollte dafür sensibilisieren, Berührungsängste abbauen und zugleich Gelegenheit bieten, eigene Erfahrungen einzubringen und voneinander zu lernen.“
Lehmler betonte zudem den Wert des ehrenamtlichen Engagements: „Unsere Ehrenamtlichen schenken Zeit, Aufmerksamkeit und menschliche Nähe. Gerade für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen kann das von unschätzbarem Wert sein. Deshalb ist es uns wichtig, die Engagierten zu begleiten, zu stärken und miteinander zu vernetzen.“
Mit einem gemeinsamen spirituellen Abschluss mit Gemeindereferentin Mechthild Nickolay endete ein Nachmittag, der neben fachlichen Anregungen vor allem eine Botschaft vermittelte: Auch wenn das Gedächtnis nachlässt, bleiben Gefühle, Bedürfnisse und die Würde des Menschen bestehen. Oder, wie es das Motto des Fachtages auf den Punkt brachte: „Gut, dass es dich gibt!“ (Caritasverband WW) 

Kategorie: Bunte Meldungen
Zugriffe: 61