ADAC Umfrage: Mehrheit der Eltern gegen den „Hol- und Bringdienst“. Jedes 5.Kind wird trotzdem täglich zur Schule gefahren.
Elterntaxis sind gut gemeint, aber gefährlich. Pünktlich zum Schulstart in dieser Woche sind Verkehrschaos, Geschwindigkeitsüberschreitungen sowie riskante Park- und Wendemanöver vor rheinland-pfälzischen Schulen wieder an der Tagesordnung.
„Der meist gut gemeinte Hol- und Bringdienst ist eine unterschätzte Gefahr, die nicht selten zu Unfällen führt“, sagt Christian Schmidt, Verkehrsexperte des ADAC Mittelrhein. Er warnt zudem: Im Elterntaxi entwickeln Kinder kein Verständnis und Risikobewusstsein für den Straßenverkehr. „Kinder lernen den Straßenverkehr nicht im Rücksitz. Wer ihnen zutraut, den Schulweg selbstständig zu bewältigen, stärkt ihre Sicherheit, ihre Eigenständigkeit und letztlich auch das Miteinander im Verkehr.“ Schmidt appelliert in diesem Zusammenhang an alle Verkehrsteilnehmenden gerade jetzt zum Schulbeginn im Umfeld von Schulen und in Wohngebieten besonders vorsichtig und jederzeit bremsbereit zu sein.
Eine Umfrage der ADAC Stiftung „Sicherer Schulweg“ aus dem Jahr 2025 zeigt: Vor allem jüngere Kinder werden zum Teil täglich von den Eltern gebracht und abgeholt. Das aber sorgt oft für zusätzliche Gefahren und geschieht nur selten aus Sicherheitsbedenken. Dabei bleibt der Anteil der Elterntaxis trotz vielerorts kritischer Diskussionen seit mehreren Jahren nahezu konstant. 19 Prozent der Grundschüler werden täglich gefahren, weitere 9 Prozent an mindestens jedem zweiten Tag. Für Grundschüler, die nicht zu Fuß zur Schule gehen, ist es das am häufigsten genutzte Verkehrsmittel - obwohl 58 Prozent der Eltern es grundsätzlich ablehnen. Kritik wird vor allem von jenen Eltern geäußert, deren Kinder den Schulweg zu Fuß (47 Prozent), mit dem Fahrrad (8 Prozent) oder dem Tretroller (6 Prozent) zurücklegen.
Mehr als die Hälfte aller Eltern findet, es befänden sich vor Unterrichtsbeginn und nach Unterrichtsende zu viele Autos vor der Schule. 56 Prozent sind der Auffassung, Elterntaxis beschwören gefährliche Verkehrssituationen herauf. Diese Einschätzung teilen sogar 35 Prozent derjenigen Eltern, die ihre Kinder täglich fahren. Trotzdem stufen 53 Prozent von ihnen Elterntaxis als notwendig ein, weitere 30 Prozent als tendenziell notwendig.
Diese vermeintliche Notwendigkeit entsteht laut Umfrage der ADAC Stiftung nur selten aus Sicherheitsbedenken. Vielmehr sind Termine nach der Schule (40 Prozent), schlechtes Wetter (32), Schule liegt auf dem Arbeitsweg (30) sowie Zeitersparnis (22) die meistgenannten Gründe. Mangelnde Verkehrssicherheit ist mit 12 Prozent lediglich siebtmeistgenannte Antwort, gleichauf mit Bequemlichkeit.
Um die Verkehrssituation vor den Grundschulen zu entzerren, begrüßen 54 Prozent der befragten Eltern die Einrichtung von Bring- und Abhol-Zonen. Die ausgewiesenen Bereiche befinden sich im näheren Umfeld der Schule, von wo die Kinder den verbleibenden Schulweg zu Fuß zurücklegen.
Bundesweit gilt der Schulweg ihrer Kinder den meisten Eltern als sicher oder sogar sehr sicher (57 Prozent). Durchschnittlich erhält die Schulwegsicherheit die Note 2,5. Als größte Gefahr betrachten Eltern Unachtsamkeit oder zu schnelles Fahren anderer Verkehrsteilnehmer (46 Prozent). 13 Prozent der Eltern sorgen sich, dass ihr Kind durch das Smartphone im Straßenverkehr abgelenkt werden könnte – obwohl mehr als doppelt so viele berichten, dass genau das schon passiert ist.
Ohne Smartphone geht von den 12- bis 15-Jähigen kaum noch jemand zur Schule. 88 Prozent dieser Altersgruppe haben nach den Ergebnissen der Umfrage aus dem letzten Jahr immer ein Smartphone dabei. 44 Prozent von ihnen nutzen auf dem Schulweg regelmäßig Kopfhörer. Bei den 5- bis 7-Jährigen liegt die Smartphone-Quote bei 12 Prozent.
Weitere Informationen:
• Video mit den wichtigsten Tipps von Verkehrsexperte Christian Schmidt: https://www.youtube.com/shorts/uaHMSJjL2ZQ
• Informationen rund um die Schulwegsicherheit: https://www.schulwegsicherheit.com (ADAC Mittelrhein)



