B Itunes B Mediaplayer B phonostar Logo radioDE

RADIO WESTERWALD LIVESTREAM : ON AIR
🎙️  ➤ Player in eigenem Fenster öffnen

02624950289     b gruenes kreuz     b email

Das Wetter im Westerwald

Heute 24°C
Morgen 21°C
14.09.2026 24°C

„So muss es nach dem Krieg ausgesehen haben“
Selters/Westerburg (shg) Die Ökumenische Jugendkirche aus Selters ist mit fünf Personen ins Katastrophengebiet gefahren, um bei den Aufräumarbeiten zu helfen. Ein Shuttle Service brachte die Gruppe nach Bad Neuenahr-Ahrweiler, Hilfsorganisationen verteilen die freiwilligen Helfer und bringen sie in die zerstörten Orte und wieder zurück. Der Dekanatsjugendreferent des Evangelischen Dekanats Westerwald, Marco Herrlich, und die FSJ-lerin der Dekanatsjugendarbeit, Henny Schneider, erzählen von ihrem Hilfseinsatz.

Frage: Wie kamt ihr auf die Idee nach Bad Neuenahr zu fahren?

Henny: Wir haben im Team der Jugendkirche überlegt, was wir machen können, um zu helfen, über Geldspenden hinaus. Sachspenden werden ja gerade nicht gebraucht, deswegen haben wir überlegt, dass wir vor Ort helfen wollen.
20210804 KircheHilft

Marco: Wir sind ja hier im Westerwald nur eine gute Stunde entfernt, also aus der direkten Nachbarschaft. Und dort arbeiten wirklich viele Leute aus dem gesamten Bundesgebiet. Unvorstellbar, wie groß das ehrenamtliche Engagement ist, dort sind Leute, die sich eine Woche Urlaub nehmen, um zu helfen.

Frage: Wie genau sah dann eure Hilfe aus?

Marco: Wir haben uns vier Männern angeschlossen, die ein Haus ausgeräumt haben. Einer von ihnen war ein Verwandter der Besitzer, die schon ältere Leute sind. Dort haben wir den Keller entrümpelt, der aus fünf oder sechs Räumen bestand. Flaschen, Regale, eine Modelleisenbahn-Sammlung, Koffer, Weihnachtsdekoration, altes Spielzeug, Videokassetten – alles war völlig unbrauchbar und musste weggeworfen werden. Vor dem Haus gab das einen riesigen Müllberg. Immer wieder haben wir Schlamm und schlammiges Wasser im Keller geschoben, um den Keller vom gröbsten Schmutz zu befreien.

Henny: Alles hat sich dort vollgesaugt mit dem schmutzigen Wasser, da waren Stoffbahnen, die lagen zwei Wochen im Schlamm, so dass sie unglaublich schwer zu tragen waren. Sehr viele Häuser sind noch überhaupt nicht betreten worden. Das Wasser zerstört absolut alles dort.

Frage: Wie schwierig ist die Einhaltung der Corona-Regeln unter den Arbeitsbedingungen dort?

Henny: Wir waren im Bus mit rund 60 Menschen. Aber alle haben Masken getragen. Beim Einsatz selber hätte ich die Maske gar nicht ablegen mögen. Der Schlamm hat derart ekelerregend gestunken, das ich sehr froh über die Maske war. Alle Helfer dort haben sie dauerhaft getragen. Der Gestank wird dort immer schlimmer, da die Bakterien sich vermehren.

Frage: Ist der Schlamm nicht auch gesundheitsgefährdend?

Marco: Auf jeden Fall. Manche Helfer bekommen Ausschlag von dem Matsch, der ist teilweise voller Öl und bakterienverseucht. Blutvergiftung und Magen-Darm-Krankheiten sind natürlich eine mögliche Gefahr. Die Koordinatoren von den Hilfsorganisationen haben uns darauf hingewiesen, dass wir nicht mit Hautverletzungen weiterarbeiten sollen. Natürlich haben wir uns mit ölfesten Handschuhen und Gummistiefeln geschützt. Die Kleidung von dem Tag mussten wir wegwerfen.

Frage: Nachdem ihr die Auswirkungen der Flut selbst gesehen habt, wie beurteilt ihr die Situation dort?

Henny: Das kann man sich nicht vorstellen. Wenn man vor Ort ist, hat man noch mal einen ganz anderen Eindruck. So stelle ich mir vor, dass es nach dem Krieg ausgesehen hat. Wie viel Kraft das Wasser hat: Autos stehen kreuz und quer, Dächer wurden von Autos abgerissen, Scheiben von Ladenlokalen liegen herum, von den Straßen wurde die Asphaltdecke weggerissen.

Marco: Nach zwei Wochen ist dort auch noch echt wenig passiert. Das Wasser steht zum Teil immer noch in den Gebäuden. In der Straße, in der wir waren, hat man an den Hauswänden die Linie gesehen, wo das Wasser gestanden hat. Das war zweieinhalb Meter über dem Boden. Erdgeschoss und Keller der Häuser waren also komplett geflutet.

Frage: Was denkt ihr über die Zukunft der betroffenen Region?

Henny: So eine krasse Zerstörung habe ich noch nie gesehen. Da wird noch das ganze Jahr lang massiv Hilfe gebraucht. Dass da Leute wieder normal wohnen können, ist fast nicht vorstellbar. Ein älterer Mann hat uns erzählt, er wohne seit 30 Jahren an der Ahr und habe nie ein Hochwasser erlebt, dass die Straße überspült hätte. Die Ahr sei immer ein beschaulicher Bach gewesen.

Marco: Es fragt sich auch, was mit dem ganzen Schutt und Müll wird. Bagger und LKW bringen permanent die Müllberge auf den Straßen weg. Wo soll das alles hin? An den Aufräumarbeiten allein haben die richtig lange dran zu tun und dann ist dort noch nicht ansatzweise ein normales Leben möglich.

Frage: Was würdet ihr Leuten raten, die auch helfen wollen?

Marco: Wichtig ist, zu einem Sammelplatz zu fahren und sich da auf die Shuttles und Hilfstrupps verteilen zu lassen, damit man nicht mit eigenen PKWs die Zufahrtswege versperrt. Es war uns wichtig da sein und beizutragen, dass wenigstens ein Haus von Schutt und Schlamm befreit ist. Aber es ist richtig harte Arbeit. Wir hatten jedenfalls schon von dem einen Tag einen ordentlichen Muskelkater.

Henny: Es war ein gutes Gefühl, zumindest ein bisschen geholfen zu haben. Die Menschen waren total dankbar, dass wir da waren, auch wenn es nur ein kleiner Anteil war, den wir geleistet haben: Wir haben was bewegen und helfen können und der Keller, in dem wir gearbeitet haben, ist wieder begehbar.

In Bad Neuenahr waren (v.l.): Marco Herrlich, Stefan Ley, Henny Schneider, Helen Müller, Bernd Müller (Quelle / Foto Evangelisches Dekanat WW)

Weitere Nachrichten aus dem Westerwald

Selters füllte eine Manege aus

Zirkusprojekt stärkte Kinder, begeisterte Familien und bewegte eine ganze Stadt

Mutig kletterten die Kinder am Vertikaltuch in die Höhe, balancierten sicher auf Seilen und Kugeln, jonglierten, zauberten und bauten beeindruckende Menschenpyramiden. Andere ließen Feuer durch die Luft tanzen oder brachten das Publikum als Clowns zum Lachen. Bei zwei großen Aufführungen verwandelten 250 Kinder ein Zirkuszelt auf dem Selterser John-Peter-Altgeld-Platz in eine Manege voller magischer Momente und strahlender Augen. Im „Circus Seltissimo“ präsentierten die jungen Artistinnen und Artisten, was sie in nur wenigen Tagen gelernt und gemeinsam einstudiert hatten. Die beiden Aufführungen bildeten den emotionalen Höhepunkt einer außergewöhnlichen Woche.
„Im Mitmachzirkus entdeckten die Kinder ihre eigenen Stärken, unabhängig von Herkunft, Sprache oder individuellen Voraussetzungen“, sagte Sigrid Moritz aus Selters. Sie war eine der Ideengeberinnen. Die andere war Grundschulleiterin Petra Edel. Sie ergänzte zufrieden: „und genau das wollten wir erreichen.“ Für das Projekt war ein großes Zirkuszelt mit erfahrenen Zirkuspädagogen und-pädagoginnen nach Selters gekommen. Das eigentliche Training der Kinder übernahm das Team der Grundschule nachdem es zuvor selbst in einem Workshop auf seine Aufgaben vorbereitet worden war.

Weiterlesen ...

„Weltklassik am Klavier“: Mozart ist Programm

Nicht mehr und nicht weniger als ein musikalisches Portrait über Wolfgang Amadeus Mozart verspricht die nächste Ausgabe von „Weltklassik am Klavier“ im Altenkirchener Kreishaus. Am Sonntag, dem 20. September, gastiert Andrey Denisenko in der Kreisstadt. Er bestreitet das komplette Programm mit Werken des vor 270 Jahren geborenen Musikgenies, darunter die Fantasie c-Moll (KV 475) und die Sonate Nr. 13 B-Dur (KV 333). 

Für Denisenko ist die Musik Mozarts nach eigenen Angaben eine unerschöpfliche Quelle der Inspiration.

Weiterlesen ...

Besserer Informationsfluss bei Zugausfällen vereinbart



 Wie können Zugausfälle künftig frühzeitiger kommuniziert und ihre Auswirkungen auf die Schülerbeförderung möglichst gering gehalten werden? Diese Frage war unter anderem Gegenstand eines Gesprächs zur Situation der Schülerinnen und Schüler aus Mudersbach und Niederschelderhütte, die den Schulstandort Betzdorf besuchen. Zu Beginn des laufenden Schuljahres hatte es etliche Zugausfälle gegeben. 

Auf Einladung von Bürgermeister Andreas Hundhausen kamen dazu Vertreter der Kreisverwaltung, der Ortsgemeinden Mudersbach, des Zweckverbands Schienenpersonennahverkehr Rheinland-Pfalz Nord (SPNV-Nord) sowie der Hessischen Landesbahn (HLB) zusammen. 



Weiterlesen ...

20 Jahre Arbeitsgemeinschaft Hilfsorganisationen im Katastrophenschutz in Rheinland-Pfalz

Im Jahr 2006 hat sich durch das herausragende Engagement einer
Handvoll Menschen im rheinland-pfälzischen Katastrophenschutz ein
außergewöhnlicher Zusammenschluss gebildet: Die
„Arbeitsgemeinschaft der Hilfsorganisationen im Katastrophenschutz in
Rheinland-Pfalz“ bündelt die gesamte Stärke der fünf
Hilfsorganisationen Arbeiter-Samariter-Bund, Deutsche Lebens-
Rettungs-Gesellschaft, Deutsches Rotes Kreuz, Johanniter-Unfall-Hilfe
und Malteser Hilfsdienst. Am heutigen Donnerstag hat die
Arbeitsgemeinschaft ihr 20-jähriges Bestehen in Mainz gefeiert.

Weiterlesen ...

Naturerlebnisse im Wildpark Westerwald

BRUNFTNACHT, FLUGVORFÜHRUNG UND WILDE KIDS

Gackenbach/Buchfinkenland. Im Wildpark Westerwald in Gackenbach erwartet die Gäste in den kommenden Wochen interessante Naturerlebnisse. So hallt bald wieder das Röhren der Rothirsche durch den abendlichen Park und es beginnt eine der eindrucksvollsten Zeiten des Jahres. Aus diesem Anlass lädt der Wildpark am Samstag, 26.9. ab 17.30 Uhr zu einer spannenden „Brunftnacht“ ein. Unter fachlicher Leitung erfahren die Gäste Spannendes über die Brunft und das Verhalten der Hirsche in diesen besonderen Wochen. Kosten hierfür: 15 € für Erwachsene und 10 € für Kinder. Eine Anmeldung per Mail ist aufgrund begrenzter Plätze notwendig.

Weiterlesen ...

Erstmals Wanderweinprobe im goldenen Oktober

Buchfinkenland/Lahn. Der Westerwald-Verein Buchfinkenland bietet etwas ganz Neues für Mitglieder und weitere Interessierte an: eine Wanderweinprobe am Sonntag, 11.10.2026 ab 11.00 Uhr. Ein sicher einzigartiges Erlebnis: wandernd die reizvolle Natur rund um die traditionsreichen Weinorte Obernhof und Weinähr zwischen Gelbach und Lahn erleben und dabei die dort angebauten Weine probieren. Und dazu in Kooperation mit dem örtlichen Verein „geweinschaft e.V.“ vieles rund um den lokalen Weinanbau erfahren - der regional sogar noch zum Westerwald gehört.

Weiterlesen ...