Auf Einladung er Verbandsgemeinde fand erstmals ein gemeinsames Treffen des neu initiierten Pflegenetzwerks der Verbandsgemeinde Betzdorf-Gebhardshain mit Bürgermeister Joachim Brenner statt. Zahlreiche Akteure aus der regionalen Pflegelandschaft kamen zu einem offenen Austausch zusammen, darunter Vertreter ambulanter und stationärer Einrichtungen sowie weiterer Dienste.
Ziel des Treffens war es, erstmals alle Akteure an einen Tisch zu bringen, Transparenz zu schaffen und den Dialog zu stärken. Die Teilnehmenden nutzten die Gelegenheit, ihre jeweiligen Angebote vorzustellen, Einblicke in ihre tägliche Arbeit zu geben und bestehende Herausforderungen offen anzusprechen. Einigkeit bestand darin, dass das Netzwerk als Plattform für kollegialen Austausch und gemeinsame Lösungsansätze verstanden wird. Ein zentrales Thema war die aktuelle Situation in der Pflege: Dabei wurde deutlich, dass die Herausforderungen vielschichtig sind und über die kommunale Ebene hinausreichen. Insbesondere Personalschlüssel, umfangreiche Dokumentationspflichten sowie strukturelle Rahmenbedingungen wurden als belastend beschrieben. Auch Fragen rund um den Sachleistungstopf und die Verhinderungspflege fanden Eingang in die Diskussion.
Mit Blick auf die Fachkräftesituation wurde hervorgehoben, dass es zunehmend schwieriger wird, Personal zu akquirieren. Die Gewinnung von Auszubildenden und jungen Fachkräften wurde als entscheidender Faktor für die Zukunftsfähigkeit der Pflege benannt. In diesem Zusammenhang wurde auch die generalistische Pflegeausbildung kritisch betrachtet, insbesondere im Hinblick auf fehlende Bindung an Einrichtungen durch rotierende Ausbildungssysteme.
Die demografische Entwicklung stellt die Region vor zusätzliche Herausforderungen. Vor dem Hintergrund geburtenstarker Jahrgänge, die in den kommenden Jahren pflegebedürftig werden könnten, besteht Einigkeit darüber, dass frühzeitig ausreichende Kapazitäten aufgebaut werden müssen. Beratung wurde dabei ausdrücklich auch als präventive Aufgabe verstanden, die bereits vor Eintritt einer Pflegebedürftigkeit ansetzt.
Ein Blick in benachbarte Regionen verdeutlichte die Dringlichkeit des Handelns. So wurde berichtet, dass in Teilen des Kreises Siegen-Wittgenstein ein erheblicher Anteil an Anfragen für Kurzzeitpflege nicht bedient werden kann. Solche Entwicklungen sollen in der Verbandsgemeinde Betzdorf-Gebhardshain möglichst frühzeitig erkannt und vermieden werden.
Die kommunalen Handlungsmöglichkeiten wurden realistisch eingeordnet. Neben baurechtlichen Instrumenten sind die Einflussmöglichkeiten der Verbandsgemeinde begrenzt. Gleichwohl wurde betont, dass Politik und Verwaltung die Situation der Pflege sehr ernst nehmen und den Dialog aktiv suchen. Die im Rahmen des Treffens gewonnenen Erkenntnisse sollen transparent an die pflegepolitischen Sprecher der jeweiligen Fraktionen weitergegeben werden.
Als konkrete Unterstützung wurde seitens der Verbandsgemeinde unter anderem angeboten, Einrichtungen bei der Ansprache von Auszubildenden durch moderne Kommunikationswege, insbesondere im Bereich sozialer Medien, zu begleiten. Zudem soll das Pflegenetzwerk künftig regelmäßig zusammenkommen, um Entwicklungen fortlaufend zu begleiten und den Austausch zu verstetigen. Ein jährliches Treffen wurde als sinnvoll erachtet, welches von der Wirtschaftsförderung unter der Leitung von Michael Becher und Janine Dietershagen organisiert werden soll.
Auch strukturelle Themen fanden Raum in der Diskussion. Die Arbeit der Pflegekammer wurde von den anwesenden Fachkräften einheitlich bewertet und als nicht zielführend angesehen. Klar wurde der Wunsch auf Abschaffung der Pflegekammer geäußert.
Im Kontext der regionalen Versorgungsstruktur wurde zudem das Seniorenzentrum Westerwald thematisiert: Mit einer Kapazität von über 130 Betten stellt es eine der größten teilstationären Einrichtungen Deutschlands dar. Ebenso wurde über Veränderungen bei bestehenden Einrichtungen informiert.
Das erste Treffen wurde von allen Beteiligten als guter Auftakt bewertet. Der offene Austausch auf Augenhöhe, das gemeinsame Problembewusstsein und die Bereitschaft zur Zusammenarbeit bilden eine tragfähige Grundlage für die zukünftige Arbeit des Netzwerks. Ziel bleibt es, frühzeitig auf Entwicklungen zu reagieren und die pflegerische Versorgung in der Verbandsgemeinde nachhaltig zu sichern.
Ab dem Sommer soll neben dem Pflegenetzwerk ein weiteres Netzwerk entstehen, um insbesondere Ärztinnen und Ärzte sowie Apotheken der Verbandsgemeinde einen Raum für den Austausch zu bieten. Damit wird ein weiterer Schritt zu einer Zusammenarbeit angestrebt. (VG Betzdorf Gebhardshain)



